Der Sorgenbaum

In der weiten Provinz ‘Irgendwo‚ des Landes ‘Überall‚
stand seit Menschengedenken ein mächtiger Doppelbaum,
von dem die Menschen annahmen,
dass gute Geister in seiner mächtigen Krone zu Hause wären
und über das Wohl und Wehe der Dorfbewohner wachten.

So sah man auch oft einzelne Menschen,
aber auch Elternpaare mit ihren Kindern,
die sich unter das dichte und mächtige Laub begaben,
um den Geistern ihre Sorgen und Nöte anzuvertrauen.
Eines Tages machte im Dorf eine Nachricht die Runde,
dass man seine tiefsten Sorgen einmal anonym aufschreiben solle,
sie gut in ein Paket einpacken, und dies dann in den Baum hängen solle.

Die Bedingung dabei wäre jedoch,
bei der Gelegenheit eines der anderen,
dort hin gehängten Pakete abzunehmen,
es nach Hause zu tragen, um es dort zu öffnen und zu lesen.

Von dieser Nachricht wurde natürlich sofort reger Gebrauch gemacht,
und bald hatten alle Bewohner am Baum ihr Päckchen abgeladen,
und – wie verlangt – das Päckchen eines anderen mit nach Hause genommen.
Als man jedoch das heimgebrachte fremde Sorgenpaket öffnete,
mussten alle mit Bestürzung feststellen,
dass die Sorgen, Nöte und Ängste der anderen ja oftmals
die eigenen noch bei weitem übertrafen –
zumindest aber nicht geringer waren.

Schleunigst liefen die Menschen auf dem schnellsten Wege
zurück zum Geisterbaum,
um ihre eigenen Sorgenpakete wieder zurückzuholen.
Fortan hörte man im Dorf niemand mehr über seine
Nöte und Sorgen klagen,
und alle dankten im Stillen den weisen Geistern,
deren Wispern man so oft in der mächtigen Baumkrone hören konnte.
(indianische Fabel)


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2 Kommentare zu “Der Sorgenbaum

  • 23. Oktober 2008, 16:24 Uhr
    Permalink

    Eine tolle Fabel!
    So wahr wenn man die Sorgen Anderer betrachtet, kommen
    einen oft die eigenen gar nicht mehr so schlimm vor!

    Antworten
  • 23. Oktober 2008, 23:26 Uhr
    Permalink

    ich möchte so einen Baum haben, um meine Sorgen irgendwo hinterlegen zu können – aufschreiben und weg – vielleicht wärs dann leichter,
    wenn ichs immer nur für mich allein herum trage, werden sie immer größer, bauschen sich auf und fallen wie ein Bummerang auf mich zurück

    Antworten

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